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Bei diesem Energiesparhaus ist alles auf Strom ausgerichtet

Es wird eines der effizientesten Mehrfamilienhäuser in Sulzbach-

Rosenberg: Gegenüber den Oberpfalz-Arkaden baut Christoph Margraf

neun Wohnungen für Jung und Alt. Ein Gespräch über Wärmepumpen,

nachhaltiges Bauen und fehlende Stellplätze.


(Artikel aus der Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 22.05.2023 - Tobias Gräf)





Christoph Margraf betritt Neuland. Der Bauunternehmer aus Illschwang wird als einer der ersten ein sogenanntes Effizienzhaus nach dem KfW-Standard 40 (siehe Infokasten) mit zusätzlicher Nachhaltigkeitszertifizierung in Sulzbach-Rosenberg bauen. Auf dem Gelände der früheren Metzgerei Luber in der Rosenberger Straße 49 hat der 31-Jährige gemeinsam mit Architekt Martin Kunert ein Mehrfamilienhaus mit 9 Wohnungen zwischen 45 und 103 Quadratmeter geplant. Der Baubeginn ist für Herbst vorgesehen. Spätestens an Weihnachten 2024 sollen die Bewohner einziehen.

Vom Single über Familien mit Kindern bis hin zu Senioren – „wir wollen eine große Altersdurchmischung“, sagt Margraf, der die teils barrierefreien Wohnungen nicht vermieten, sondern verkaufen will. Das Besondere an dem Projekt für 2,25 Millionen Euro sei, dass modernste Dämm- und Heiztechnik verbaut werden soll, damit spätere Bewohner möglichst geringe Nebenkosten haben. „Die beste Energie ist die, die ich nicht verbrauche. Für die Menschen sind die Nebenkosten durch den Krieg enorm wichtig geworden.“


Baustoffe aus der Region

Margraf weiter: „Die letzten Jahre wurde der KfW 55 Standard angestrebt, wir machen jetzt aber sogar KfW 40. Gerade bei Mehrfamilienhäusern ist das neu.“ Hinzu kommt ein Nachhaltigkeitszertifikat, wofür weitere Bedingungen erfüllt werden müssen. Was das heißt, erklärt Architekt Martin Kunert. „Es geht darum, regionale Produkte zu verbauen und Lieferketten nachweisen zu können.“ Dazu werde auch sehr eng mit einem Energieberater zusammengearbeitet.

„Es spielen Schallschutz, Barrierefreiheit und Brandschutz mit rein, aber vor allem wird viel Wert auf nachhaltige Baustoffe gelegt. Ich darf zum Beispiel nur Hölzer aus der Umgebung verwenden von einem zertifizierten Sägewerk“, beschreibt Margraf die strengen Vorgaben für das Zertifikat, das erst im März neu eingeführt wurde. „Man muss sich jetzt im Vorfeld schon Gedanken machen, welche Türklinke will ich verbauen, denn auch die muss nachhaltig produziert worden sein. Ich glaube, dass wir die ersten in der Stadt sind, die mit KfW-40-Standard und zusätzlich dem Nachhaltigkeitszertifikat bauen.“


Staatliche Kredite

Die strengen Vorgaben würden sich für Wohnungskäufer positiv im Geldbeutel bemerkbar machen. Denn: „Für eine KfW-40-Wohnung mit Zertifikat gibt es jeweils 150.000 Euro Darlehen für unter 1 Prozent Zins. Normal würde man 4 Prozent Zinsen zahlen.“

Heizen per Fernwärme musste übrigens ausgeschlossen werden. „Mit Fernwärme wird der KfW-40-Standard nicht mehr erfüllt“, sagt Margraf. Die Gründe erklärt Kunert: „Mit Biomasse, Gas und Öl ist man inzwischen raus aus den Zuschussprogrammen.“

Das Effizienzhaus soll deshalb per Wärmepumpe beheizt werden. Jede Wohnung habe Lüftungsanlagen, eine Bodenheizung, und aufs Dach komme eine PV-Anlage. Für E-Autos gibt es zudem Ladevorrichtungen. Margraf: „Das ganze Haus ist komplett auf Strom ausgerichtet.“ Wenn es nach dem Bauherrn geht, sollen davon auch die Bewohner profitieren. „Ich will den Strom nicht nur ins Netz einspeisen, da gibt es derzeit sowieso bloß acht Cent dafür, sondern für den Eigenverbrauch im Haus verwenden. Damit werden die Bewohner einen günstigeren Strom beziehen als aus dem Netz.“


Wärmepumpe: "Angst ist unberechtigt"

Natürlich kennen Margraf und Kunert auch die aktuelle Debatte über die Wärmepumpe und die Frage, ob das System auch bei starken Minustemperaturen im Winter für ausreichend Heizleistung sorgt. Diese Ängste will der Illschwanger aber entkräften. „Es ist ja deswegen ein Effizienzhaus, weil es von vornherein viel weniger Energie verbraucht und sehr stark gedämmt ist.“ Kunert weiter: „Bei dem hohen Dämm-Standard beträgt die Vorlauftemperatur circa 30 Grad, da arbeiten diese Geräte sehr effektiv. Die Angst, dass es im Winter nicht warm wird, ist unberechtigt. Im schlimmsten Fall verbraucht man halt mehr Strom und der Wirkungsgrad wird halt ein wenig schlechter.“

Architekt Kunert erläutert zudem, dass sich Nachhaltigkeit bei dem Projekt nicht nur auf das Bauen selbst bezieht, sondern auch auf die zentrumsnahe Lage. Viele Erledigungen könnten zu Fuß und damit ohne Auto gemacht werden. Es werde hier keine grüne Wiese am Stadtrand vernichtet, sondern nachverdichtet. „Es war vorher ein Zweifamilienhaus, jetzt passen neun rein. Das ist eine extreme Erhöhung der Nutzbarkeit auf gleicher Fläche.“





Diskussion um Parkraum

Schwierigkeiten gebe es jedoch beim sogenannten Stellplatzschlüssel. Pro Wohnung sei ein Parkplatz vorgeschrieben. Jedoch reiche der Platz auf dem Grundstück nur für sechs Stellplätze – für die restlichen drei müssten jeweils 4000 Euro Ablöse an die Stadt gezahlt werden. Dies sind im aktuellen Fall schon 12.000 Euro. „Die Ablöse ist grundsätzlich richtig und wichtig“, so Kunert, weil das Geld zweckgebunden für den Ausbau der öffentlichen Parkinfrastruktur verwendet werden müsse.

Doch sei nicht zu unterschätzen, dass die Ablöse für den Investor auch einen finanziellen Faktor darstelle, und die Mehrkosten dann meist an die Bewohner weitergebgeben würden und sich so der Wohnraum verteuere. Dies könne die Bebauung in der Innenstadt und die gewünschte Nachverdichtung behindern.

Ein guter Kompromiss, so Kunerts politischer Vorschlag, könnte sein, die Stellplatz-Ablöse zu verringern, wenn der Investor dafür ein Mobilitätskonzept vorlege, das den Parkraumdruck verringere, indem den Bewohnern Angebote gemacht werden, wodurch sie weniger Autos bräuchten – zum Beispiel durch Car-Sharing, Pedelecs, Lastenräder, Job-Bikes oder ÖPNV-Abos. „Wenn ein Investor ein solches Konzept vorlegt und dadurch seine Ablöse zum Beispiel um einen Stellplatz verringern könnte, wäre das ein positiver Anreiz, in alternative Mobilität zu investieren.“



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